Ein gekauftes Spiel steht in der Bibliothek und ist eines Tages nicht mehr startbar. Der Grund liegt nicht in einem Defekt, sondern in der Konstruktion.
Lizenz statt Eigentum
Digitale Käufe verschaffen in aller Regel ein Nutzungsrecht, kein Eigentum an einer Sache. Das Recht hängt am Konto, ist nicht übertragbar und endet unter den Bedingungen, die der Anbieter gesetzt hat.
Solange das Spiel offline läuft, ist das theoretisch. Praktisch wird es, sobald ein Titel für den Start oder für wesentliche Teile eine Verbindung zum Hersteller braucht.
Was den Anstoß gab
Im April 2025 schaltete ein Publisher die Server eines Rennspiels ab. Der Titel war danach auch für Käufer der physischen Fassung nicht mehr spielbar – nicht eingeschränkt, sondern gar nicht.
Daraus entstand die Europäische Bürgerinitiative Stop Destroying Videogames, bekannter unter dem Namen Stop Killing Games. Sie sammelte 1.294.188 verifizierte Unterschriften und erreichte die erforderlichen Schwellen in 24 Mitgliedstaaten – eingereicht wurde sie am 26. Januar 2026.
Die Antwort aus Brüssel
Nach einem Treffen mit der Kommission im Februar und einer öffentlichen Anhörung im EU-Parlament im April kam am 16. Juni 2026 die Stellungnahme: Eine rechtliche Verpflichtung, Spiele nach dem Ende ihrer kommerziellen Bereitstellung spielbar zu halten, werde nicht vorgeschlagen.
Begründet wird das mit dem Urheberrecht und damit, dass bestehendes Verbraucherrecht bereits Informationspflichten vorsieht. Angekündigt ist stattdessen ein Austausch mit Industrie und Verbrauchervertretern bis Ende 2026, aus dem ein freiwilliger Verhaltenskodex zum Lebensende von Spielen hervorgehen soll.
Wie belastbar ein freiwilliger Kodex ist, wird sich zeigen. Für Käufe, die heute getätigt werden, ändert er zunächst nichts.
Was daraus praktisch folgt
- Vor dem Kauf prüfen, ob offline gespielt werden kann. Diese Angabe steht meist in den Systemvoraussetzungen, wenn auch klein.
- Bei Titeln mit reinem Onlinebetrieb einkalkulieren, dass sie endlich sind. Das ist kein Argument gegen den Kauf – nur gegen die Erwartung, ihn in zehn Jahren noch nutzen zu können.
- Physische Fassungen sind kein Schutz, wenn das Spiel eine Verbindung braucht. Sie sind einer, wenn es das nicht tut.
Warum das hier steht
Weil es ein Merkmal ist, das sich vor dem Kauf nachprüfen lässt – und weil es in Testberichten praktisch nie vorkommt. Ob ein Spiel Spaß macht, ist Geschmack. Ob es in fünf Jahren noch startet, ist eine Sachfrage.